Von Akademie zur Realität

Der dekoloniale Feminismus ist eine politische Aufforderung, ein Zeichen des Aufstands, kreiert durch die Frauen im globalen Süden, die unter der Ausbeutung eines sexistischen und rassistischen ökonomischen Systems leiden.  Der dekoloniale Feminismus strebt danach, alle Machtstrukturen abzubauen, die Rassismus, Patriarchat und Kapitalausbeutung aufrechterhalten, sowie die Auferlegung sozialen Normen, die unsere Lebensweisen vorschreiben. Es ist kein neuer Trend, der dafür genutzt werden sollte bloß Bücher zu schreiben, Vorlesungen oder Kurse an der Universität zu halten.

Das waren die Worte mit denen Dr. Edna Martínez –Vorstand von LAFI e. V.– das Event Puentes de Cultura - Dekolonialer Feminismus beendete. Die Veranstaltung fand in einem virtuellen Format statt, verlief ohne technische Probleme und wurde simultan ins Spanische und Deutsche übersetzt. Zunächst erhielten die Teilnehmenden Zugriff auf den ersten Schnitt des Films Un Planeta von Isabel Calderón. Danach stellte Andrea Cagua kurz die aktuelle Studie von LAFI e. V. „Viel zu erzählen: Eine Diagnose der Migrationserfahrungen von Frauen aus Lateinamerika und der Karibik in Berlin“ vor. Un Planeta ist der audiovisuelle Teil der Studie bzw. Prolog dieser. Das gesamte Projekt wurde durch die Stiftung Nord-Süd-Brücken mit finanzieller Unterstützung des BMZ, einem erfolgreichen Crowdfunding bei Startnext durch 67 Spender*innen. Zudem wurde ein großer Anteil ehrenamtlicher Arbeit geleistet: der Referentinnen, als auch der technische Support durch Steffanie Wassermann und ein Großteil der Organisation des Events wurden ehrenamtlich geleistet.

An der Debatte über dekolonialen Feminismus, die von Dr. Helena Mendoza, Mitglied des LAFI e.V., moderiert wurde, beteiligten sich Dr. Carolina Tamayo, Professorin an der Alice Salomon Hochschule, die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Humboldt-Universität und Doktorandin Lina Knorr sowie die Regionalkoordinatorin (Süd) von DaMigra e.V. Ekin Polat. Die Fragen „Was ist dekolonialer Feminismus und was unterscheidet ihn von gewöhnlichem Feminismus?“ „Was ist Feminismus?“ „Was sind die Strukturen des Kolonialismus, die heute noch spürbar sind?“ wurden von diesen drei Frauen beantwortet.

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Lina, eine junge weiße deutsche Wissenschaftlerin, sieht ihre Aufgabe primär in der Selbstreflexion. Anzuerkennen was ihre angeborenen Privilegien sind und dabei Frauen, die diese Privilegien nicht innehaben, die Möglichkeit zu geben für sich selbst zu sprechen. An dieser Stelle lobte sie auch den Film Un Planeta, da dieser genau das tut: Frauen die Möglichkeit gibt sich und ihre Perspektiven auf die Welt zu beleuchten. Dr. Carolina Tamayo sieht vor allem die Intersektionalität im dekolonialen Feminismus. Erkennen wie indigene Frauen, oder schwarze Frauen, oder Menschen mit anderer gender-Identität von Rassismen und Diskriminierung durch ein post-koloniales Regime betroffen sind. Auch Ekin Polat sieht die Notwenigkeit Rassismus in die Debatte zu bringen, denn es gibt auch Feminismus der für rassistische Zwecke genutzt wird. (Beispiel: Silvesternacht in Köln 2015) Deshalb ist es ihr wichtig klar zu machen einen anti-rassistischer Feminismus zu vertreten.

 

Am Ende der Podiumsdiskussion bleibt die Erkenntnis, den dekolonialen Feminismus nicht als eine interessante Theorie zu verstehen, sondern als eine rebellische und politische Aufforderung von Frauen (FLINT*) im globalen Süden, sowie die Frage nach unserer Position in diesem Kampf.